Die Ursachen von HIV und die weltweite Verbreitung der HIV-Infektion

Nachdem das Zusammentreffen bestimmter Krankheitszeichen als AIDS definiert wurde, hat das Center for Disease Control (CDC) AIDS am 1. Dezember 1981 als eigenständige Krankheit anerkannt. Bis heute sind 39 Millionen Menschen an AIDS gestorben. Durch die intensive Erforschung der Ursachen von HIV und die Entwicklung einer medikamentösen HIV-Therapie ist AIDS in Mitteleuropa seltener geworden. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil der HIV-Infizierten bei 0,8 Prozent, während in einzelnen afrikanischen Staaten Werte um 25 Prozent erreicht werden.

Abb.: Entwicklung der Zahl der HIV-Infizierten weltweit. – Quelle: http://aidsinfo.unaids.org/

In Deutschland schätzte das Robert-Koch-Institut die Zahl der HIV-Infizierten im Jahr 2015 auf insgesamt ca. 85.000, davon sind ca. 70.000 Männer und 15.000 Frauen. Die Anzahl der HIV-Infizierten steigt auch in Deutschland nach wie vor stetig an (siehe www.rki.de).

Die eigentlichen Ursachen für HIV

Seit dem erstmaligen Auftreten von AIDS in den frühen 80er Jahren sind Forscher damit befasst, den Ursprung des HI-Virus und den ersten Übertragungsweg auf den Menschen zu ergründen. Mit großer Wahrscheinlichkeit geht seine Entstehung auf in den Urwäldern Afrikas lebende Affen zurück. Entdeckt wurde das Virus erstmalig in den USA, als einige homosexuelle Männer seltene opportunistische Infektionen und Tumore entwickelten. Es dauerte nicht lange, bis das Human Immunodeficiency Virus (HIV) als verantwortlicher Erreger identifiziert wurde. Es gibt verschiedene Arten des Erregers, wobei der weltweit überwiegende Teil der Betroffenen mit HIV-1 Typ M (major) infiziert ist. Nach aktuellem Forschungsstand gehen die humanpathogenen HIV-Stämme auf Immunschwächeviren auf verschiedene Affenpopulationen zurück. Noch nicht wissenschaftlich geklärt ist, wie das Virus vom Affen auf den Menschen gelangt ist und die Artgrenze überspringen konnte. Die wahrscheinlichste Theorie ist der Verzehr von Affenfleisch in Afrika.

Bekämpfung der Ursachen von HIV: die weltweite Entwicklung

Seit den 80er Jahren steigt die Zahl der an einer HIV-Infektion erkrankten Menschen in der ganzen Welt. Schätzungen zufolge gab es im Jahr 2015 weltweit rund 36,7 Millionen Infizierte, darunter 2,1 Millionen Kinder (Quelle: UNAIDS 2015), von denen mehr als die Hälfte in Ostafrika und in Südafrika leben. Anderes gilt für Nordafrika, wo der Anteil der Infizierten an der Gesamtbevölkerung deutlich geringer ausfällt. In Ländern südlich der Sahelzone sind die Hauptursachen für HIV der heterosexuelle Geschlechtsverkehr als Hauptübertragungsweg, gefolgt von der Übertragung durch infizierte Bluttransfusionen und das Stillen von Neugeborenen. Weltweit haben im Jahr 2016 rund 1,8 Millionen Menschen die Diagnose HIV erhalten. Allerdings tragen viele Menschen das HI-Virus in sich, ohne es zu wissen.  Die Anzahl der Infizierten ohne Diagnose können nur grob geschätzt werden.

Bis zum Jahr 2020 will UNAIDS erreichen, dass
- 90 Prozent der infizierten Menschen von ihrer Infektion wissen,
- 90 Prozent der Infizierten Zugang zu Medikamenten und damit zu einer HIV-Therapie haben,
- 90 Prozent der im Rahmen einer HIV-Therapie Behandelten unter der sogenannten Nachweisgrenze liegen. Das bedeutet, dass HIV im Blut nicht mehr nachweisbar ist.
Nach aktuellem Stand sind derzeit weltweit 70 Prozent der HIV-Infizierten diagnostiziert, 53 Prozent werden therapiert und 44 Prozent von ihnen liegen unter der Nachweisgrenze (Quelle: https://www.aidshilfe.de/hiv-statistik-deutschland-weltweit).
UNAIDS ist ein gemeinsames Projekt der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS, das das Ziel hat, die verschiedenen, HIV und AIDS betreffenden Aktivitäten einzelner Länder zu bündeln und zu koordinieren. Wichtigste Aufgabe von UNAIDS ist, Daten zu sammeln, die für die Betroffenen sozialen Konsequenzen zu erfassen und den Einfluss der Epidemie auf die Wirtschaft der jeweiligen Staaten zu dokumentieren. Daraus resultiert der zwei Mal im Jahr veröffentlichte globale HIV/AIDS-Bericht. Entstanden ist UNAIDS 1996 aus dem Global Program on HIV/AIDS der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Sitz in Genf in der Schweiz.

Bekämpfung der Ursachen von HIV: die Entwicklung in Deutschland

Auch in Deutschland steigt die Zahl der HIV-Infizierten stetig an. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts lag die Zahl Ende 2016 bei insgesamt 88.400 Menschen, von denen rund 70.000 Männer und 15.000 Frauen sind (siehe www.rki.de). Die Anzahl der mit HIV infizierten Menschen nimmt nach wie vor stetig zu, weil neue Infektionsfälle hinzukommen, jedoch durch eine HIV-Therapie weniger Menschen an AIDS sterben. Die Zahl der Neuinfektionen liegt aktuell in Deutschland bei rund 3.200 Fällen pro Jahr. Im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren ist die Zahl der Neudiagnosen kaum verändert. Unter den neu diagnostizierten sind insbesondere Männer betroffen, die Sex mit Männern haben (siehe www.rki.de). Erfreulicherweise gehen diese Zahlen aufgrund der neuen Prophylaxeprogramme sogar leicht zurück. An zweiter Stelle stehen die Übertragungen durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr, deren Zahl sich auf rund 750 Fälle im Jahr beläuft. Schätzungen zufolge wissen rund 12.000 Menschen nichts von ihrer HIV-Infektion, beziehungsweise die Diagnose steht noch aus.
Wichtig zu wissen ist, dass die geschätzte Zahl der Neuinfektionen nicht mit der Zahl der Neudiagnosen verwechselt werden darf. Die Zahl der Neudiagnosen sagt wenig über den Zeitpunkt der tatsächlichen HIV-Infektion aus. Sie ist lediglich ein Beleg dafür, wie viele Menschen innerhalb eines Jahres positiv getestet wurden, wobei der Zeitpunkt der Infektion lange zurückliegen kann. Oftmals wird eine HIV-Infektion erst Jahre später diagnostiziert und statistisch erfasst.

Die Anzahl der HIV-bedingten Todesfälle

Die Zahl der AIDS-bedingten jährlichen Todesfälle stieg in den 90er Jahren weltweit extrem stark an. Sie erreichte etwa im Jahr 2005 ihren Höhepunkt mit ca. 2 Millionen Todesfällen pro Jahr. Seitdem konnten die HIV-bedingten Todesfälle kontinuierlich reduziert werden. Dies ist vor allem der stetigen Weiterentwicklung der antiretroviralen Therapie zu verdanken. Ferner nimmt der Anteil der HIV-Patienten, die mit antiretroviralen Präparaten behandelt werden, weiterhin zu und lag im Jahr 2015 weltweit bei fast 50 % mit großen Unterschieden je nach Land.

Es war vor allem in den 90er Jahren, als die Zahl der durch AIDS bedingten jährlichen Todesfälle weltweit extrem stark stieg, wobei sich die meisten dieser Todesfälle auf dem afrikanischen Kontinent ereigneten, südlich des Saharagürtels. Ihren Höhepunkt erreichte sie etwa im Jahr 2005 mit einer Anzahl von rund 2 Millionen Todesfällen im Jahr. Seitdem ist es gelungen, die durch eine HIV-Infektion bedingten Todesfälle kontinuierlich zu reduzieren. Das geht auf die intensive Forschungsarbeit, die stetige Weiterentwicklung der antiretroviralen HIV-Therapie und das zur Verfügung stellen von preisgünstiger Therapie, vor allem auch in dritte Weltländern, zurück. Einen Durchbruch in der HIV-Therapie stellte insbesondere die Dreifachkombination von antiretroviralen Wirkstoffen dar. Dementsprechend nimmt die Zahl der mit HIV infizierten Patienten zu, die mit antiretroviralen Präparaten behandelt werden. Sie lag im Jahr 2015 weltweit bei fast 50 Prozent, wobei es signifikante Unterschiede in den einzelnen Ländern auf verschiedenen Kontinenten gibt. Trotz dieser positiven Ergebnisse gibt es in einigen Regionen steigende Zahlen. Das gilt insbesondere für Zentralasien, Osteuropa, Nordafrika und für den Mittleren Osten.

 

Abb.: Weltweite Entwicklung der AIDS-bedingten Todesfälle und der Anzahl der HIV-Patienten mit antiretroviraler Therapie. – Quelle: AIDS by the numbers, UNAIDS 2016.

In Deutschland wird die Zahl der an AIDS Verstorbenen auf rund 460 Menschen im Jahr 2015 geschätzt. Einer Schweizer Forschungsgruppe ist es gelungen, diese Zahl weiter zu differenzieren. Einer Studie zu Folge starben nur 9 Prozent der an einer HIV-Infektion Erkrankten tatsächlich aufgrund von AIDS. Bei 24 Prozent wurde als Todesursache Krebs diagnostiziert, ohne dass ein Zusammenhang mit AIDS festgestellt werden konnte. Dies kann als großer Fortschritt durch die zur Verfügung stehende HIV-Therapie gesehen werden.

(Weber R et al. Decreasing mortality and changing patterns of causes of death in the Swiss HIV Cohort Study. HIV Med, online edition. DOI: 10.1111/j.1468-1293.2012.01051x, 2012.)

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?