HIV-Krankheitsbild – von der HIV-Infektion bis zu AIDS

Das HIV-Krankheitsbild variiert von Mensch zu Mensch und ist unter anderem abhängig von der genetischen Ausstattung der infizierten Person, ihrem Alter, der Virulenz des Erregers und vor allem davon, ob eine HIV-Therapie eingeleitet wird oder nicht.

HIV-Krankheitsbild – was bedeutet HIV-positiv?

HIV wird durch das Humane Immundefizienz-Virus ausgelöst, abgekürzt HI-Virus. HIV ist von AIDS zu unterscheiden. AIDS bedeutet Acquired Immuno Deficiency Syndrome, was mit erworbenem Immunschwäche-Syndrom übersetzt wird. AIDS ist die Folge einer unbehandelten HIV-Infektion. Das bedeutet, wer das HIV-Krankheitsbild aufweist, muss nicht zwingend AIDS ausbilden. Denn erst eine mehrjährige HIV-Infektion, in der sich die infizierte Person keiner HIV-Therapie unterzieht, geht in das Stadium AIDS über. HIV-positiv ist also derjenige, der sich mit HIV infiziert. Das lässt sich im Blut mithilfe der Antikörper nachweisen, die der Körper als Antwort auf das Eindringen der HI-Viren bildet.

HIV-Krankheitsbild: der Verlauf einer HIV-Infektion

Kurz nach der Ansteckung vermehrt sich das HI-Virus sehr stark, indem es in die sogenannten T-Helferzellen des Immunsystems eindringt. Sie haben unter anderem die Aufgabe, andere Zellen des Immunsystems zu steuern und Krankheitserreger abzuwehren. HI-Viren nisten sich in die T-Helferzellen, ihre Wirtszellen, ein und zerstören sie. Das gilt insbesondere für die Immunzellen der Darmschleimhaut, die unwiederbringlich stark dezimiert werden. Die maximale Viruslast wird im Blut durchschnittlich zweieinhalb Wochen nach der Ansteckung erreicht, im Sperma nach rund einem Monat. Das bedeutet, dass aufgrund der hohen Virusmenge im Blut, im Sperma sowie in den Genital- und Rektalschleimhäuten die Ansteckungsgefahr besonders hoch ist.
Der Körper reagiert auf diese Invasion, indem er Antikörper bildet und neue Immunzellen produziert. Eine Weile gelingt es, zerstörte T-Helferzellen durch neue zu ersetzen. Wird die Infektion nicht mit einer HIV-Therapie behandelt, sinkt die Zahl der T-Helferzellen im weiteren Verlauf, sodass das Immunsystem geschwächt wird und seine Schutzfunktion verliert. Die im Körper gebildeten Antikörper schaffen es eine Zeit lang, das HI-Virus zu kontrollieren, nicht jedoch zu beseitigen. Diese Prozesse führen zu unspezifischen Krankheitssymptomen. Nach sieben bis zehn Tagen klingen diese Symptome ab, sodass sie regelmäßig nicht dem HIV-Krankheitsbild zugeschrieben werden, sondern als Magen-Darm-Infekt, als grippaler Infekt oder Reise-Erkrankung abgetan werden. Diese Beschwerden gehen zurück auf die immunologische Abwehrreaktion und die Bildung von Antikörpern gegen HIV, die sich regelmäßig drei bis sechs Wochen nach der Ansteckung mit einem HIV-Test nachweisen lassen.
An die akute Infektionsphase schließt sich ein Stadium an, das Monate oder auch viele Jahre dauern und symptomfrei oder symptomarm verlaufen kann und in der sich die infizierte Person vollkommen gesund fühlt. Dennoch vermehrt sich das HI-Virus weiter und schädigt innere Organe wie die Niere und das Immunsystem. Die Anzahl der T-Helferzellen und ihre Funktionsfähigkeit nehmen mit dem Fortschreiten der Erkrankung weiter ab. Wird keine medikamentöse HIV-Therapie eingeleitet, wird das Immunsystem so geschädigt, dass es den menschlichen Körper nicht mehr vor Bakterien, Viren und Pilzen schützen kann. Dann hat sich aus der HIV-Infektion AIDS entwickelt.

HIV-Krankheitsbild: Unterteilung in verschiedene Krankheitsstadien

Das HIV-Krankheitsbild wurde bereits 1993 von der amerikanischen Behörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) in drei Stadien eingeteilt, die jeweils unterschiedliche Symptome aufweisen. Danach wird die HIV-Infektion in die Stadien A, B und C unterteilt. Diese CDC-Klassifikation wird auch heute noch verwendet.


- Kategorie A bezeichnet die akute HIV-Erkrankung und die sich anschließende symptomfreie Phase.
- Mit Kategorie B werden die Symptome der chronischen Infektion benannt.
- Kategorie C ist die Bezeichnung für AIDS.
Die genannten Kategorien geben Auskunft darüber, wie fortgeschritten die HIV-Infektion ist. Sie lassen jedoch keine Rückschlüsse darauf zu, wie gut das Immunsystem des HIV-Infizierten noch funktioniert. Deshalb wird der jeweiligen Kategorie noch eine Ziffer hinzugefügt, die den Verlauf konkretisiert und angibt, wie viele T-Helferzellen im Blut des Patienten vorhanden sind.
- Ziffer 1 bedeutet, dass ausreichend T-Helferzellen vorhanden sind, nämlich mehr als 500 pro Mikroliter Blut.
- Ziffer 2 ist ein Hinweis darauf, dass noch eine mittlere Anzahl von T-Helferzellen im Blut nachweisbar ist, die zwischen 200 und 500 T-Helferzellen pro Mikroliter Blut liegt.
- Ziffer 3 gibt Auskunft darüber, dass nur noch wenige T-Helferzellen im Blut nachweisbar sind, deren Zahl sich auf unter 200 pro Mikroliter Blut beläuft.
Durch die Unterteilung in Kategorien und Ziffern ist es möglich, das HIV-Krankheitsbild exakt zu bestimmen.

Die unterschiedlichen Stadien und ihre möglichen Symptome

Die Zeitspanne von der Ansteckung mit HIV bis zur Ausbildung von AIDS kann mehrere Monate und mehr als 10 Jahre betragen. Die Dauer dieser sogenannten chronischen Phase wird von mehreren Faktoren beeinflusst, zu denen der Lebensstil, die psychische Verfassung und die Lebensumstände des mit HIV Infizierten gehören. Wird rechtzeitig eine medikamentöse HIV-Therapie eingeleitet, kann die Entwicklung von AIDS verhindert werden.

HIV-Krankheitsbild Stadium A

Stadium A beziehungsweise Kategorie A bezeichnet die akute Phase der HIV-Infektion unmittelbar nach der Ansteckung mit HIV. Nicht alle, aber einige Betroffene zeigen Anzeichen einer sogenannten akuten HIV-Erkrankung. Die Symptome ähneln denen eines grippalen Infekts oder einer Magen-Darm-Erkrankung. Sie können sich durch Müdigkeit, Fieber, akute Schluckbeschwerden, eine Halsentzündung, durch Appetitlosigkeit, geschwollene Lymphknoten sowie Kopf- und Gliederschmerzen äußern. Es kann auch zu Durchfällen, Erbrechen und Hautausschlägen, vornehmlich im oberen Rumpfbereich, kommen. Diese Symptome können in unterschiedlicher Intensität auftreten und manchmal nur sehr schwach ausgeprägt sein. Sie klingen nach kurzer Zeit wieder ab, sodass mancher HIV-Infizierte auf einen Arztbesuch verzichtet. Nach dieser akuten Phase können Monate oder auch Jahre vergehen, bis sich erneut Symptome zeigen. Diese größtenteils beschwerdefreie Zeit wird in der Medizin als Latenzphase bezeichnet und dauert durchschnittlich zehn Jahre.

HIV-Krankheitsbild Stadium B

Das HIV-Krankheitsbild kann im weiteren Verlauf unterschiedliche Beschwerden aufweisen, die noch nicht dem Krankheitsbild AIDS zugerechnet werden. Zu den häufigsten Symptomen gehören Pilzbefall des Mund- und Rachenraums oder der weiblichen Geschlechtsorgane, Durchfall, der länger als einen Monat dauert und für den es keine andere Ursache gibt, sowie eine erhöhte Körpertemperatur von bis zu 38,5 Grad Celsius. Es kann zu Nervenerkrankungen an Armen und Beinen kommen, sowie zu einer Gürtelrose, die wiederholt oder gleichzeitig an mehreren Stellen auftritt. Im Stadium B kann es zu bakteriellen Infektionen von Blutgefäßen kommen sowie zu Infektionen mit speziellen Bakterien, der sogenannten Listeriose. Manche Betroffene haben durch die Immunsuppresion einen weißlichen, nicht abwischbaren Belag am Zungenrand, eine sogenannte orale Haarleukoplakie. Diese kann durch den Epstein-Barr-Virus ausgelöst werden. Bei mit HIV infizierten Frauen können Schleimhautveränderungen am Gebärmutterhals sowie Beckenentzündungen auftreten. Diese Krankheitsphasen können sich abwechseln mit Phasen, in denen Betroffene keine oder nur geringe Beschwerden haben.

HIV-Krankheitsbild Stadium C

Mit dem Fortschreiten der unbehandelten HIV-Infektion entsteht der schwere Immundefekt AIDS, der früher auch als „Vollbild AIDS“ bezeichnet wurde. Immer weniger kann sich das Immunsystem gegen Krankheitserreger wehren, sodass weitere Krankheitsbilder auftreten, die den Körper weiter schwächen. Dazu gehören:
- das Wasting-Syndrom (Gewichtsverlust)
- die HIV assoziierte Enzephalopathie (krankhafter Zustand des Gehirns)
- und sogenannte opportunistische Infektionen.


Das im Stadium C oder in der Kategorie C auftretende Wasting-Syndrom bedingt einen Gewichtsverlust von über 10 Prozent des Körpergewichts, Fieber und Abgeschlagenheit sowie andauernde Durchfälle über einen langen Zeitraum. Bei der HIV assoziierten Enzephalopathie greift das HI-Virus direkt das Nervengewebe an, sodass es zu Funktionsstörungen und zu einer Schädigung des Gehirns kommen kann. Aufgrund der zunehmenden Schwächung des Immunsystems haben Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze leichtes Spiel, sodass es in Folge zu zahlreichen Erkrankungen kommen kann, die als opportunistische Infektionen bezeichnet werden. Dazu gehören unter anderem wiederholte Salmonellen-Infektionen sowie bakterielle Lungenentzündungen, Tuberkulose, Toxoplasmose sowie Pilzbefall von Bronchien, Lunge, Speiseröhre und Luftröhre. Im Stadium C kann es zu bösartigen Erkrankungen kommen, beispielsweise Gebärmutterhalskrebs, bösartige Lymphome und bösartige Tumore des zentralen Nervensystems. Insoweit konzentriert sich die AIDS-Therapie auf die Behandlung der einzelnen Erkrankungen.

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