Positiv leben mit HIV: Der Beginn der HIV-Therapie entscheidet über die Lebensqualität

Positiv leben mit HIV scheint angesichts der Tatsache, dass es bis heute keinen Wirkstoff gibt, der den HI-Virus eliminiert, eine Aussage zu sein, die im ersten Moment zweifeln lässt. Wird jedoch eine HIV-Infektion frühzeitig erkannt, kann mit einer hoch wirksamen HIV-Therapie die Lebensqualität deutlich verbessert und langfristig die Entstehung von AIDS verhindert werden. Wann Sie sich einem HIV-Test unterziehen sollten und welche Tests es gibt – informieren Sie sich hier. Lesen Sie auf unseren weiteren Seiten auch, wie Sie sich am besten vor einer HIV-Infektion schützen können!

Positiv leben mit HIV – wann und warum ein HIV-Test sinnvoll ist

Es gibt bestimmte Situationen oder Anzeichen, in denen es sinnvoll ist, sich einem HIV-Test zu unterziehen. Auch wenn Sie möglicherweise mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert werden, sollten Sie sich aus gutem Grund so früh wie möglich Gewissheit darüber verschaffen, ob Sie mit HIV infiziert sind. Eine frühzeitig eingeleitete HIV-Therapie macht es möglich, dass Sie mit HIV lange und positiv leben können.

Es gibt bestimmte Situationen, in denen ein HIV-Test sinnvoll ist, nämlich diese:

  1. Sie haben den Wunsch nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin. Dann sollten Sie beide vorab einen AIDS-Test machen, um kein unnötiges Risiko einzugehen.
  2. Sie wünschen sich Kinder? Auch vor einer geplanten Schwangerschaft ist ein HIV-Test empfehlenswert. Sollte das Ergebnis positiv sein, können Sie als HIV-infizierte Mutter sofort eine HIV-Therapie beginnen. Sie stellt sicher, dass sich das HI-Virus nicht auf Ihr Kind überträgt. Deshalb sollte sich auch Ihr Partner testen lassen, um sich nicht während der Schwangerschaft anzustecken, ohne dass Sie davon Kenntnis haben.
  3. Es muss nicht gleich eine HIV-Infektion sein. Leiden Sie jedoch unter anhaltendem Fieber oder unter Nachtschweiß oder einer permanenten Schwellung der Lymphknoten oder unter anhaltenden schweren Durchfällen, dann sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um Gewissheit über Ihren Gesundheitszustand zu erlangen.
  4. Einem HIV-Test sollten Sie sich auch dann unterziehen, sofern Sie in der Vergangenheit insbesondere im Ausland Blutprodukte oder Bluttransfusionen bekommen haben, deren Reinheit Sie anzweifeln. Dann ist es wichtig, dass Sie sich mit einem Test Sicherheit verschaffen.

Mit einem HIV-Test die HIV-Infektion bestätigen oder ausschließen

Grundsätzlich darf ein HIV-Test nur dann durchgeführt werden, wenn Sie Ihre Einwilligung erteilt haben.

SOFERN SIE FÜRCHTEN, SICH MIT HIV INFIZIERT ZU HABEN, EMPFEHLEN WIR IHNEN VOR DEM HIV-TEST UND AUCH NACH ERHALT DES TESTERGEBNISSES EINE BERATUNG.

Mit dem Test kann eine HIV-Infektion nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Angeboten wird der HIV-Test von Gesundheitsämtern. Er kann aber auch beim Hausarzt durchgeführt werden, wobei das Testergebnis nach wenigen Tagen vorliegt. Das Blut wird auf Antikörper untersucht, die das Immunsystem gegen bestimmte Bestandteile des Virus bildet. Antikörper können drei bis sechs Wochen nach einer möglichen Erstinfektion mit HIV ebenso wie ein bestimmter Eiweißanteil des HI-Virus nachgewiesen werden. Eine zuverlässige Aussage lässt sich spätestens nach drei Monaten treffen.

Grundlage für eine gesicherte Diagnose ist die in zwei Stufen mit definierten Nachweismethoden durchgeführte Stufendiagnostik.

1. Der HIV-Screeningtest der vierten Generation als erste Stufe der HIV-Diagnostik

In diesem Test können HIV-spezifische Antikörper und ein spezifisches Eiweiß des HI-Virus nachgewiesen werden. Ziel ist es, die HIV-Infektion so früh wie möglich zu erkennen. Wird dieser Test zu einem sehr frühen Zeitpunkt nach der HIV-Infektion durchgeführt, kann es passieren, dass einige Personen aufgrund einer kurz zurückliegenden Grippeimpfung oder einer akuten Erkrankung fälschlicherweise positiv getestet werden.

2. Der Bestätigungstest als zweite Stufe der HIV-Diagnostik

Fällt das Ergebnis im Screeningtest negativ aus und liegt ein begründeter Verdacht für eine HIV-Infektion vor, ist ein Nukleinsäure Amplifikationstest empfehlenswert. Er ist hoch sensitiv und ein Bestätigungstest für das erste Ergebnis. Meistens wird eine zweite und unabhängig gewonnene Blutprobe hinzugezogen, um die Verwechslung oder Verunreinigung einer Probe auszuschließen.

IST EIN PATIENT IN BEIDEN TESTSTUFEN POSITIV GETESTET WORDEN, GILT ER ALS HIV-POSITIV. DANN IST ES WICHTIG, DASS UMGEHEND EIN AUF HIV SPEZIALISIERTER ARZT EINGEBUNDEN UND EINE HIV-THERAPIE EINGELEITET WIRD.

Fällt auch der zweite Test positiv aus, gilt es als gesichert, dass eine HIV-Infektion vorliegt. Der Gesetzgeber verlangt, dass sie dem Robert Koch-Institut gemeldet werden muss, wobei die Meldung anonym und ohne Namensnennung des Patienten erfolgt.

Positiv leben mit HIV – trotz der Diagnose „HIV-positiv“

Für die meisten Patienten ist die Diagnose „HIV-positiv“ zunächst ein Schock. Selbstzweifel, Selbstvorwürfe und viele Fragen kommen in dieser Situation auf. Deshalb ist eine fachlich qualifizierte Beratung wichtig. Außerdem lohnt es sich, sich umfassend über HIV und AIDS zu informieren, damit Sie die Fakten kennen. Ziel ist es außerdem, dass Sie lernen, die Diagnose HIV zu akzeptieren und eine positive Lebenseinstellung zu behalten.

Wir haben außerdem einige Tipps für die ersten Wochen nach der Diagnose zusammengefasst, damit Sie es schaffen, positiv mit HIV zu leben:

    • Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um die Diagnose zu verarbeiten.
    • Notieren Sie die Fragen, die Sie beschäftigen und suchen Sie nach Antworten im Internet, bei Ihrem behandelnden Arzt oder in einer Beratungsstelle.
    • Sprechen Sie mit Personen Ihres Vertrauens, holen Sie sich aktiv Hilfe und tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten aus. Auch professionelle Hilfe, zum Beispiel eine psychologische Beratung, ist eine weitere Möglichkeit.
    • Lernen Sie einen achtsamen Umgang mit sich selbst. Tun Sie für sich, für Ihren Körper und für Ihre Seele sowie für Ihre Gesundheit etwas Gutes.

Wenn wir von positiv leben mit HIV sprechen, meinen wir, dass HIV heute als chronische Erkrankung gilt, die im Rahmen einer HIV-Therapie gut behandelbar ist. Für Sie außerdem wichtig zu wissen ist, dass Sie eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie andere Menschen haben können. Auch wenn es bislang keinen Wirkstoff gibt, der das HI-Virus eliminiert, so kann es doch in Schach gehalten werden. Doch es kommt entscheidend auf Ihre Mitwirkung an, auf Ihre Zuverlässigkeit und Ihre Disziplin, die Ihnen verordneten HIV-Medikamente regelmäßig und in der vorgegebenen Menge einzunehmen.

Positiv leben mit HIV: PrEP und PEP

PrEP ist die Abkürzung für die Prä-Expositionsprophylaxe, welche die medikamentöse Vorsorge vor einem Risiko-Kontakt bezeichnet. Bei einer PrEP nehmen gesunde Menschen Medikamente ein, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Entscheidend für die Wirksamkeit ist eine regelmäßige Einnahme, wobei ein angepasstes Sexualverhalten und die Verwendung von Kondomen dadurch nicht entbehrlich werden. Seit 2016 werden für die PrEP die Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil verwendet, deren Einnahme auch Nebenwirkungen nach sich ziehen können. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen unabdingbar, was gleichermaßen für HIV-Kontrolluntersuchungen gilt. Die PrEP ist in Deutschland keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, sondern muss vom Betroffenen selbst bezahlt werden.

PEP ist die Abkürzung für die Post-Expositionsprophylaxe. Sie ist vor allem für Menschen bedeutsam, die nach einem HIV-Risikokontakt innerhalb von 24 Stunden Maßnahmen gegen eine mögliche HIV-Infektion unternehmen möchten. Solche HIV-Risikokontakte können eine Nadelstichverletzung, ein beruflich bedingter Kontakt oder ungeschützter Geschlechtsverkehr sein. Im Rahmen der PEP werden antiretrovirale Medikamente eingenommen, die eine mögliche Ansteckung verhindern sollen, wobei die besten Ergebnisse innerhalb eines Zeitfensters von zwei Stunden nach dem Risikokontakt erzielt werden. Eine PEP wird nach Ablauf von 72 Stunden nicht mehr empfohlen. Das Ergebnis wird anschließend mit einem HIV-Test untersucht.

Nähere Informationen zur HIV-Prävention, HIV-Testverfahren und weiterem mehr rund um die Thematik „Positiv leben mit HIV“ lesen Sie auf unseren anderen Seiten.

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