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Was bedeutet eine gute HIV-Therapietreue für mich?

Lachende Menschen am Tisch

Die HIV-Therapietreue im weiteren Sinne ist ein Indiz dafür, wie zuverlässig Sie die mit Ihrem Arzt vereinbarte HIV-Therapie einhalten. Dazu gehört nicht nur die medikamentöse Therapie, sondern auch begleitende Maßnahmen, zum Beispiel Physiotherapie. Im engeren Sinne bezeichnet Therapietreue, auch Compliance genannt, die regelmäßige Einnahme der im Rahmen der Therapie verordneten Medikamente entsprechend den Anweisungen des behandelnden Arztes.

Warum die HIV-Therapietreue so wichtig ist

Eine gute HIV-Therapietreue wirkt sich positiv auf den Therapieerfolg aus. Ziel der Therapie ist es, die Viruslast zu senken. Das bedeutet, die Zahl der Viren sollte so stark reduziert werden, dass sie im Blut nicht mehr nachweisbar sind. Die Voraussetzung ist eine zuverlässige antivirale Wirkung, die nur durch einen gleichmäßigen Wirkspiegel der Medikamente erreicht werden kann. Der ist wiederum abhängig von einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme. Die Compliance hat noch einen zweiten und dritten positiven Effekt: Die Entwicklung von Resistenzen wird deutlich gesenkt. Außerdem kann Ihr Arzt bei einer zuverlässigen Medikamenteneinnahme sehr schnell einschätzen, ob die von ihm gewählte Medikamentenkombination bei Ihnen die gewünschte Wirkung entfaltet oder nicht. Auch Ihr persönliches Umfeld wird davon profitieren. Kann die Viruslast unter die Nachweisgrenze gesenkt werden, sinkt auch das Risiko, die HIV-Infektion zu übertragen. Um diese positiven Effekte zu erzielen, sollten Sie Ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und keine eigenmächtigen Therapiepausen einlegen. Wird die Therapie unterbrochen, vermehren sich nicht nur die HI-Viren, sondern durch die nicht ausreichenden Medikamentenspiegel steigt gleichzeitig das Risiko einer Resistenzentwicklung.

HIV-Therapietreue: Der richtige Zeitpunkt für den Beginn der HIV-Therapie

Mittlerweile sollte jedem, der die Diagnose HIV-positiv erhält, möglichst zeitnah eine HIV-Therapie angeboten werden. Denn Studiendaten belegen, dass eine frühzeitige HIV-Therapie die langfristige Wirksamkeit verbessert. Es gibt manchmal allerdings auch Gründe und Vorbehalte, die gegen einen direkten Therapiestart sprechen. Hier ist es wichtig, mit einem spezialisierten Arzt über die Therapie zu sprechen. Der Arzt wird gemeinsam mit dem Patienten den richtigen Zeitpunkt für den Start der Therapie finden. Für einen schnellen Therapiestart sprechen zum Beispiel eine niedrige CD4-Helferzahl, eine Schwangerschaft oder ein höheres Lebensalter.

Warum die regelmäßige Einnahme der Medikamente in der verordneten Dosierung so wichtig ist

Der Erfolg der Therapie steht und fällt mit der HIV-Therapietreue. Das bedeutet, nur wenn Sie die Medikamente regelmäßig und in der verordneten Dosierung einnehmen, ist der Therapieerfolg sichergestellt. Nur so können Sie die Ausbildung der HIV-Infektion zu AIDS mit einer sich anschließenden AIDS-Therapie vermeiden. Bei unregelmäßiger Einnahme oder bei teilweiser oder vollständiger Nicht-Einnahme der Medikamente passiert Folgendes: Der Wirkspiegel der Medikamente im Blut sinkt ab, sodass sich die HI-Viren weiter vermehren, was dann übrigens täglich millionenfach erfolgt. Dabei kann es zur Bildung von veränderten HI-Viren kommen, sogenannten Mutanten. Setzen Sie zu einem späteren Zeitpunkt die Medikamenteneinnahme fort, können sich die entstandenen Mutanten unter Umständen trotzdem vermehren, da sie eine Resistenz gegen das Medikament entwickelt haben. Trotz wieder aufgenommener Medikamenteneinnahme steigt die Viruslast, sodass ein anderes, wirksames Medikament gefunden und bezüglich seiner Wirksamkeit ausprobiert werden muss. Schlimmstenfalls kommt es zu einer Kreuzresistenz, sodass die HI-Viren nicht nur gegen ein Medikament, sondern auch gegen andere Medikamente resistent sind, die Sie noch gar nicht eingenommen haben. Die Behandlungsmöglichkeiten sind dann sehr eingeschränkt, sodass Sie durch die fehlende HIV-Therapietreue nicht nur wertvolle Zeit verloren haben, sondern auch Gefahr laufen, an AIDS zu erkranken.

Voraussetzungen für die HIV-Therapietreue: Motivation, Disziplin und Eigenverantwortung

Die wesentliche Voraussetzung für die HIV-Therapietreue ist, dass Sie sich bewusst für eine Therapie entscheiden und die erforderliche Motivation aufbringen, um dauerhaft und zuverlässig Medikamente einzunehmen. Die Entscheidungsfindung braucht seine Zeit, die Sie sich nehmen sollten. Seien Sie sich bewusst, dass die Therapie das HI-Virus nicht komplett aus Ihrem Körper entfernt. Allerdings wird die Entwicklung der HIV-Infektion zum Stadium AIDS gehemmt. Das bedeutet, dass Sie mit HIV positiv leben und eine nahezu durchschnittliche Lebenserwartung haben können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Sie ein Leben lang jeden Tag die Medikamente einnehmen. Dafür bedarf es neben Wissen um die Wirkweise der Medikamente, Motivation, Disziplin und Eigenverantwortung.

HIV-Therapietreue – 12 Tipps für die Medikamenteneinnahme

Sie haben es selbst in der Hand und können aktiv zum Therapieerfolg beitragen, indem Sie die Therapie strikt einhalten. Beherzigen Sie die nachfolgenden mentalen Motivationshilfen und organisatorischen Maßnahmen, die Ihnen die HIV-Therapietreue leichter machen. Wir haben das Wichtigste in 12 Tipps für Sie zusammengefasst:

1. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker erklären, wann und wie Sie Ihre Medikamente einnehmen sollen und wie diese wirken. Wenn Sie wissen und verstehen, warum die HIV-Therapietreue so wichtig ist, werden Sie motivierter sein.

2. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Tages- oder Wochenration der Medikamente und füllen Sie die jeweiligen Rationen in eine Arzneikassette (z.B. Dosett). Gewöhnen Sie sich eine Art Ritual an, die Rationen am Wochenende für die darauffolgende Woche vorzubereiten, zum Beispiel immer am Sonntagabend vor dem Zubettgehen. Lagern Sie die Dosett immer am selben Platz. So ist sie jederzeit griffbereit und muss nicht gesucht werden.

3. Nehmen Sie Ihre Medikamente immer zur gleichen Zeit ein, sodass Sie eine gewisse Routine entwickeln, die automatisiert abläuft.

4. Lassen Sie sich von einem Wecker, einem Timer am PC oder Tablet oder von Ihrem Smartphone durch einen Klingelton an die Medikamenteneinnahme erinnern.

5. Koppeln Sie die Medikamenteneinnahme an bestimmte Rituale, die Sie ohnehin täglich pflegen, zum Beispiel an das Zähne putzen, an das Aufstehen oder an eine Mahlzeit.

6. Tragen Sie immer eine Tagesration der Medikamente bei sich, in Ihrer Handtasche, Ihrer Aktentasche oder in Ihrem Rucksack. Dann sind Sie auf der sicheren Seite für den Fall, dass Sie nicht rechtzeitig zuhause sind.

7. Deponieren Sie sicherheitshalber einen kleinen Medikamentenvorrat bei Ihrem Partner, an Ihrem Arbeitsplatz oder an anderen Orten, an denen Sie sich regelmäßig aufhalten.

8. Bitten Sie Ihr soziales Umfeld, Ihren Partner, Ihre Familie oder Freunde, Sie bei der Medikamenteneinnahme zu unterstützen und Sie daran zu erinnern.

9. Sorgen Sie dafür, dass Sie rechtzeitig zu Ihrem Arzt gehen und sich ein neues Rezept ausstellen lassen. Legen Sie dazu bestimmte Tage im Jahr fest, die Sie in Ihrem Kalender markieren.

10. Unterbrechen Sie Ihre Therapie – unabhängig vom Grund – niemals auf eigene Faust. Das gilt beispielsweise dann, wenn unangenehme Nebenwirkungen auftreten. Sprechen Sie stattdessen mit Ihrem Arzt darüber, da die Möglichkeit besteht, auf ein anderes Medikament auszuweichen.

11. Führen Sie ein Gesundheitstagebuch, indem Sie die Medikamenteneinnahme, die Viruslast, die Helferzahl, eventuelle Beschwerden und den Behandlungserfolg dokumentieren. Auf diese Weise bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie wichtig die Therapie und auch die HIV-Therapietreue sind.

12. Gehen Sie regelmäßig zu Ihrem Arzt und lassen Sie alle vereinbarten Kontrolluntersuchungen sowie empfohlene Impfungen vornehmen. Auf diese Weise behält Ihr Arzt den Krankheitsverlauf im Auge und kann auf mögliche Veränderungen schnell reagieren.

Wenn Sie diese Tipps beherzigen und viel Wert auf die HIV-Therapietreue legen, leben Sie positiv mit HIV.

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