Verlaufskontrollen – was bedeuten meine Laborwerte?

Um sicherzustellen, dass Sie die bestmögliche Behandlung und Versorgung bekommen, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch Ihren behandelnden HIV-Arzt sehr wichtig. Um herauszufinden, wie sich die HIV-Infektion auf Ihren Gesundheitszustand auswirkt, gibt es zwei wichtige Blutuntersuchungen: Die Bestimmung der CD4-Zellzahl und der Viruslast.

Immunstatus (CD4-T-Helferzellenzahl) und Viruslast (HIV-RNA-Kopienzahl) sollten bei Diagnosestellung und anschließend in zwei- bis drei monatigen Abständen bestimmt werden. Therapieeinleitung und -umstellung erfordern u. U. kurzfristigere Kontrollen.

Generell gilt als Ziel der Therapie: Je weniger Viren und je mehr CD4-Zellen im Blut nachweisbar sind, desto erfolgreicher ist die Therapie!

  • CD4-Zellzahl

    Ihre CD4-Zellzahl gibt einen Hinweis auf den Zustand Ihres Immunsystems. Die Größe Ihrer CD4-Zellzahl gibt an, wie viele CD4-Zellen sich in einem Mikroliter Blut befinden (in einer sehr kleinen Menge Blut) – also nicht im gesamten Körper. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gibt die CD4-Zellzahl meistens als reine Zahl an.

    Bei nicht mit HIV-infizierten Menschen kann die CD4-Zellzahl zwischen 435 und 1600/µl liegen (Quelle: hivbuch 2014-2015), wobei hier große Unterschiede möglich sind. So haben Frauen zum Beispiel tendenziell höhere CD4-Zellzahlen als Männer. Ferner hängt die CD4-Zellzahl von Alter und den Begleiterkrankungen ab.

    Aber auch die individuelle CD4-Zellzahl kann schwanken, also nach oben und unten abweichen – z. B. als Reaktion auf Stress, Nikotinkonsum, die Menstruation, die Einnahme der Anti-Baby-Pille, körperliche Betätigung oder sogar je nach Tageszeit. Auch bei Infektionen und Krankheiten sinkt die Zahl der CD4-Zellen (z. B. bei einer Grippe oder einem Herpes).

    Wenn Ihre CD4-Zellzahl relativ hoch ist, Sie keine Symptome haben und noch keine Anti-HIV-Medikamente nehmen, wird die Zahl Ihrer CD4-Zellen nur alle drei Monate bestimmt. Wenn aber Ihre CD4-Zellzahl abgesunken ist, wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen kürzere Untersuchungsabstände empfehlen.

    Ohne Anti-HIV-Medikamente wird Ihre CD4-Zellzahl in aller Regel mit der Zeit absinken. Die Kontrolle Ihrer CD4-Zellzahl gibt Ihnen und Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt die Möglichkeit, wichtige Entscheidungen über Ihre Behandlung und sonstige gesundheitliche Versorgung zu fällen.

    Nachdem Sie mit einer HIV-Therapie begonnen haben, steigt Ihre CD4-Zellzahl in der Regel nach und nach wieder an. Die Geschwindigkeit, mit der das geschieht, kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein.

    Der Therapieerfolg spiegelt sich in einer Verbesserung der Symptome und einem Anstieg der CD4-Zellzahl wider.

  • Relative CD4-Zellzahl

    Zusätzlich zur absoluten Helferzellzahl wird manchmal auch der Anteil der CD4-Zellen an allen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bestimmt. Diese sogenannte relative Helferzellzahl oder relative CD4-Zellzahl liegt bei HIV-negativen Menschen bei etwa 40 %. Eine relative CD4-Zellzahl von etwa 14 % zeigt in etwa den gleichen Immunstatus an wie eine CD4-Zellzahl von 200/µl. Bestimmt wird die relative CD4-Zellzahl häufig dann, wenn die absoluten CD4-Zellzahlen bei zwei aufeinander folgenden Messungen stark voneinander abweichen.

  • Viruslast

    Die Viruslast steht für die Menge an HI-Viren in Ihrem Blut. Je mehr Viren Sie in Ihrem Blut haben, desto höher ist die Viruslast und damit steigt auch das Risiko, dass Sie krank werden. Bei hoher Viruslast schreitet die körperliche Belastung oft schneller voran, Menschen mit sehr niedriger Viruslast können zum Teil längere Zeit beschwerdefrei sein.

    Die Viruslast wird anhand des HIV-Erbmaterials im Blut gemessen und als Zahl der HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut angegeben. Eine Viruslast von 1000 zum Beispiel gilt als niedrig, eine Viruslast von 100.000 als hoch.

    Viruslast ohne HIV-Therapie

    Wenn Sie keine HIV-Medikamente einnehmen, wird Ihre Viruslast in unterschiedlicher Höhe nachweisbar sein. Sie liefert wichtige Informationen über die Aktivität der HIV-Infektion. Bei gleicher Ausgangs-CD4-Zellzahl sinkt die Zahl der Helferzellen bei Patient(inn)en mit hoher Viruslast schneller ab, sodass ihr Risiko steigt, schwer zu erkranken.

    Bei einer unbehandelten HIV-Infektion kann die Viruslast von Messung zu Messung schwanken. Nicht jeder Anstieg aber bietet Anlass zur Sorge und selbst eine Verdoppelung muss nichts Schlimmes bedeuten. Impfungen (zum Beispiel gegen Grippe) können zu einem vorübergehenden Anstieg Ihrer Viruslast führen.

    Viruslast unter HIV-Therapie

    Sobald Sie mit der Behandlung begonnen haben, sollte Ihre Viruslast sinken. Ziel der HIV-Behandlung ist eine nicht mehr nachweisbare Viruslast. Ihre Viruslast sollte innerhalb von drei bis sechs Monaten nach dem Start der HIV-Behandlung unter die Nachweisgrenze gesunken sein und dort bleiben.

    Viruslast unter der Nachweisgrenze

    Alle Verfahren zur Viruslastbestimmung haben eine Grenze, unterhalb derer sie HIV nicht mehr zuverlässig nachweisen können. Diese Grenze nennt man Nachweisgrenze. Bei den derzeit eingesetzten Verfahren liegt diese Grenze bei 40 oder 50 Viruskopien pro Milliliter. Wenn Ihre Viruslast geringer als 40 oder 50 ist, nennt man das „nicht mehr nachweisbar“. Genau dies ist das Ziel der antiviralen Therapie.

    Doch auch wenn die HIV-Menge in Ihrem Blut so gering ist, dass man sie nicht mehr messen kann, heißt das nicht, dass HIV aus Ihrem Körper verschwunden ist. Es können sich immer noch Viruskopien in Ihrem Blut befinden, aber eben in nicht mehr nachweisbarer Menge. Die Verfahren zur Viruslastbestimmung messen nur die Zahl der Viruskopien im Blut. Diese Menge kann sich von der Viruslast in anderen Teilen Ihres Körpers, zum Beispiel in Ihrem Darm oder in Ihren Lymphknoten, unterscheiden.

    Warum eine Viruslast unter der Nachweisgrenze gut ist

    Zuallererst bedeutet eine Viruslast unter der Nachweisgrenze ein geringeres Risiko, infolge der HIV-Infektion zu erkranken und auch das Risiko für einige andere schwere Erkrankungen ist reduziert. Zweitens bedeutet eine nicht nachweisbare Viruslast, dass das Risiko von Resistenzentwicklungen gegen die HIV-Medikamente sehr gering ist. Und drittens ist bei einer Viruslast unter der Nachweisgrenze auch das Risiko einer HIV-Übertragung auf andere deutlich geringer.

    „Blips“: Ausreißer der Viruslast nach oben

    Auch bei nicht nachweisbarer Viruslast kommt es manchmal zu sogenannten Blips, das heißt, die Viruslast steigt von einem Wert unter der Nachweisgrenze auf ein nachweisbares, wenn auch niedriges Niveau und ist dann bei der nächsten Messung wieder unter der Nachweisgrenze. Solche „Ausreißer“ der Viruslast müssen nicht bedeuten, dass Ihre HIV-Behandlung nicht mehr funktioniert. Über die Gründe für solche Blips gibt es eine ganze Reihe von Theorien. Dazu gehören Messfehler im Labor oder Infektionen (z.B. eine Erkältung oder eine Grippe). In einer Studie fand man heraus, dass Blips im Winter häufiger vorkommen, was die Theorie stützen könnte, dass Infektionen zu den möglichen Ursachen gehören. Wenn Ihre Viruslast bei zwei aufeinander folgenden Messungen oberhalb der Nachweisgrenze liegt, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, was die Ursachen sein könnten und ob Sie Ihre Therapie umstellen müssen.

  • Weitere Blutuntersuchungen

    Bei jedem Ihrer regelmäßigen Check-up-Termine wird man Ihnen Blut abnehmen und es untersuchen lassen. Diese Untersuchungen dienen neben der Bestimmung Ihrer CD4-Zellzahl und Viruslast auch der Beobachtung Ihres allgemeinen Gesundheitszustandes. Im Rahmen einer HIV-Therapie können darüber hinaus Tests durchgeführt werden, die einen Hinweis auf Ihr Risiko für bestimmte Nebenwirkungen geben. Andere Untersuchungen dienen der Feststellung, ob weitere Infektionen bei Ihnen vorliegen.

    Folgende Untersuchungen können vorgenommen werden:

    • Großes Blutbild (Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) und der weißen Blutkörperchen (Leukozyten); letztere sind Bestandteil des Immunsystems)
    • Blutfettwerte (Gesamtcholesterin und Trigylceride, evtl. HDL- und LDL-Cholesterin)
    • Knochenstoffwechsel (Bestimmung von Calcium, Phosphat, Gesamteiweiß, Albumin im Blut)
    • Blutzuckeruntersuchungen
    • Nierenfunktionstest
    • Leberfunktionstest
  • Weitere Untersuchungen

    Abgesehen von regelmäßigen Laborkontrollen sollte auch der Impfstatus regelmäßig überprüft werden. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes, insbesondere zum Ausschluss von Lymphomen (Lymphknotenvergrößerungen) und Malignomen (bösartigen Tumoren), ist einmal im Jahr sinnvoll.

    Die übrigen Laborkontrollen richten sich nach klinischem Befinden, Begleiterkrankungen und den Ergebnissen der letzten Kontrolle.

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Quelle: www. Aidsmap.com

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