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HIV-Therapie: Gründe für unzureichende Wirkung

Positiv leben mit HIV können HIV-Infizierte dann, wenn die Therapie die gewünschte Wirkung erzielt. Dazu ist eine lebenslange Therapie mit Arzneimitteln notwendig mit der Folge, dass das HI-Virus den Körper kaum noch schädigt, sodass ein Lebensalter erreicht werden kann, das mit dem von gesunden Menschen nahezu identisch ist. In manchen Fällen erzielt eine HIV-Therapie eine unzureichende Wirkung. Welche Gründe es hierfür gibt und was dann zu tun ist, das erfahren Sie hier.

HIV-Therapie: Die unzureichende Wirkung und ihre Gründe

Es gibt verschiedene Gründe, warum die HIV-Therapie eine unzureichende Wirkung erzielen kann, unter anderem können dies sein:
- Unzureichende Compliance beziehungsweise Therapietreue
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie
- Neu gebildete Resistenzen gegen ein HIV-Präparat
Wenn die HIV-Therapie eine unzureichende Wirkung zeigt, ist dies zunächst kein Grund zu verzweifeln. Stattdessen wird Ihr behandelnder Arzt die HIV-Therapie entsprechend ändern und an die Gegebenheiten anpassen. Das ist allerdings nur möglich, wenn es sich um Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie um neu gebildete Resistenzen gegen ein HIV-Präparat handelt. Ist der Grund für das Therapieversagen eine unzureichende Compliance, also eine unregelmäßige Einnahme der HIV-Medikamente, dann sind Sie selbst gefragt. Doch auch eine fehlende Therapietreue hat ihre Gründe, sodass Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen sollten, warum Sie Ihre HIV-Medikamente nicht regelmäßig einnehmen wollen oder können.

HIV-Therapie: Unzureichende Wirkung aufgrund von Nebenwirkungen

Wie andere Medikamente auch, können Medikamente gegen HIV unerwünschte Nebenwirkungen aufweisen, die in den Beipackzetteln aufgeführt sind. Der Gesetzgeber verlangt diese Transparenz, wobei längst nicht bei jedem HIV-Infizierten Nebenwirkungen auftreten. Grundsätzlich wird zwischen akuten Nebenwirkungen und Langzeitnebenwirkungen differenziert.
- Akute Nebenwirkungen treten in den ersten Wochen auf und hier insbesondere in den ersten zwei Wochen. Meistens sind sie durch einen Therapiebeginn oder durch eine Therapieumstellung verursacht. Insoweit ist es wichtig, dass Sie auf der Arbeit, im Studium oder zuhause entsprechend vorbereitet sind. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Appetitlosigkeit, Verstopfung, Durchfall, Schlafstörungen, Völlegefühl und Übelkeit. Einige lassen sich gut behandeln, zum Beispiel mit bewährten Hausmitteln oder auch mit Medikamenten. Besprechen Sie Ihre Beschwerden am besten mit Ihrem behandelnden HIV-Experten.
- Neben akuten Nebenwirkungen können auch nach Monaten oder Jahren Langzeitnebenwirkungen auftreten. Beispiele sind hohe Blutfettwerte, Diabetes, depressive Verstimmungen, sexuelle Funktionsstörungen und Stoffwechselstörungen, wobei auch der Knochenaufbau und die Nierenleistung beeinträchtigt werden können. Beeinflusst werden Nebenwirkungen auch durch das Alter, durch Stressfaktoren, Nikotin sowie Alkohol- und Drogenkonsum.
Sie haben die Möglichkeit, auf diese Nebenwirkungen Einfluss zu nehmen, durch Verzicht auf Alkohol und Zigaretten, durch viel Bewegung, sportliche Aktivitäten und eine ausgewogene Ernährung. Sind die Nebenwirkungen nach Ihrem Empfinden zu stark, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen, um gegebenenfalls die HIV-Arzneimitteltherapie umstellen zu lassen. Verzichten sollten Sie aber auf Alleingänge und darauf, die HIV-Medikamente eigenverantwortlich abzusetzen.
HIV-Therapie: Unzureichende Wirkung aufgrund fehlender Therapietreue
Die HIV-Therapie kann eine unzureichende Wirkung haben, wenn die Therapietreue verletzt wird. Die lebenslange Tabletteneinnahme ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern auch eine Herausforderung, die HIV-Infizierte täglich meistern müssen. Was einfach klingt, ist in der Realität oftmals schwierig umzusetzen. Doch die Einnahme von Medikamenten entscheidet darüber, ob Sie positiv mit HIV leben und ob die Ausbildung von AIDS unterbunden wird.
Durch die Einnahme von Medikamenten im Rahmen der antiretroviralen Therapie werden die HI-Viren an ihrer Vermehrung gehindert. Das Senken dieser sogenannten Viruslast ist der entscheidende Therapieerfolg. Wenn Sie die Medikamente unregelmäßig einnehmen, sinkt der Wirkstoffspiegel im Blut. Als  Folge vermehren sich die HI-Viren rasant, sodass die medikamentöse Behandlung ihre Wirksamkeit verliert. Die Bildung neuer Viruspartikel geschieht dann täglich millionenfach, sodass der Therapieerfolg massiv gefährdet wird. Deshalb sollten Sie auf eigenmächtiges Handeln verzichten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn es einen Grund gibt, die HIV-Medikamente abzusetzen, zum Beispiel weil die Nebenwirkungen zu intensiv sind.

HIV-Therapie: Unzureichende Wirkung aufgrund von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die Wirkung der HIV-Therapie kann auch unzureichend sein aufgrund von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Das gilt zum Beispiel auch für Potenzmittel, für die Anti-Baby-Pille sowie für Drogen. Hier sind einige Beispiele für die Wechselwirkung von HIV-Medikamenten mit anderen Medikamenten:


- Es gibt HIV-Medikamente, die den Abbau von Drogen im Körper verzögern, sodass diese länger und intensiver wirken. Besonders gefährlich sind Drogen wie Heroin, Kokain, Speed und Ecstasy, bei denen es im Zusammenspiel mit HIV-Medikamenten zu einer Überdosierung und schlimmstenfalls zum Tod kommen kann.
- Manche HIV-Medikamente senken den Wirkstoffspiegel von Substitutionsmitteln. Das sind zum Beispiel Ersatzmittel für den Drogenkonsum wie Methadon und Buprenorphin. Das bedeutet, dass bei gleichzeitiger Einnahme von HIV-Medikamenten und Substitutionsmitteln Entzugserscheinungen auftreten können.


- Sogenannte Partydrogen und Heroin können Depressionen, Ängste, Schlafstörungen und Verwirrtheit auslösen. Diese Gefühle können im Zusammenwirken mit HIV-Medikamenten intensiviert werden, sofern diese Beschwerden ohnehin zu den Nebenwirkungen gehören.
- Auch Alkohol ist dazu geeignet, die Nebenwirkungen von Medikamenten und auch von HIV-Medikamenten zu intensivieren.
- Selbst Johanniskraut als pflanzliches Medikament, das oftmals bei depressiven Verstimmungen eingesetzt wird, kann dazu führen, dass die Wirksamkeit von HIV-Medikamenten herabgesetzt wird.
Teilen Sie deshalb Ihrem behandelnden Arzt unbedingt mit, wenn Sie neben den HIV-Präparaten weitere Arzneimittel einnehmen, selbst wenn es „nur“ Johanniskraut ist. Nur so kann er Sie auf mögliche Wechselwirkungen aufmerksam machen. Diese Informationen behandelt Ihr Arzt vertraulich, da er der ärztlichen Schweigepflicht unterliegt, sodass Sie sich keine Sorgen machen müssen, dass Informationen an Behörden oder die Polizei weitergegeben werden.

HIV-Therapie: Unzureichende Wirkung aufgrund einer Resistenz gegen HIV-Medikamente

Auch aufgrund von neu gebildeten Resistenzen kann es zu einem Therapieversagen kommen. Das bedeutet, dass das HI-Virus resistent, also unempfindlich, gegen die im Medikament enthaltenen Wirkstoffe wird, sodass es sich erneut im Körper vermehren kann. Weil das Medikament seine Wirksamkeit verloren hat, funktioniert die HIV-Therapie nicht mehr, sodass eine andere Medikamentenkombination gefunden werden muss. Das ist aufgrund der Vielzahl der verfügbaren Wirkstoffe in der Regel auch möglich.
Doch wie entstehen Resistenzen gegen HIV-Medikamente und vor allem, wie werden sie festgestellt? Damit HIV-Medikamente die gewünschte Wirkung entfalten, müssen die Wirkstoffe in ausreichender Menge im Körper vorhanden sein. Es gibt mehrere Gründe, warum das manchmal nicht der Fall ist, zum Beispiel bei Durchfall, Erbrechen sowie bei einem ungewöhnlich schnellen Abbau in der Leber. Das hat zur Folge, dass sich das HI-Virus erneut vermehrt. Dabei können Varianten der HI-Viren entstehen, die gegen den im Medikament enthaltenen Wirkstoff resistent sind, sodass das Medikament an Wirkung verliert und gewechselt werden muss.
Deshalb ist es wichtig, dass Sie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen zu Ihrem Arzt gehen. Mit regelmäßigen Bluttests lässt sich die Wirksamkeit des jeweiligen HIV-Präparates leicht feststellen. Vor allem können Sie selbst Resistenzen vorbeugen, indem Sie die Medikamente in der verordneten Dosierung und zu den festgelegten Zeiten täglich einnehmen und die vorgegebenen Ernährungsvorschriften beachten.

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