Mittel gegen HIV für die Initialtherapie

Zur ART-Initialtherapie stehen fünf potenzielle antivirale Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Die Mittel gegen HIV verhindern die Vermehrung des Virus in Immunzellen des Körpers und setzen jeweils an verschiedenen Punkten der Virusvermehrung an. Sie lassen sich daher in mehrere Gruppen unterteilen:

  Wirkstoffgruppe Abkürzung
1 Nukleosid-/Nukleotidanaloga NRTI bzw. NtRTI
2 nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptaseinhibitoren NNRTI
3 Proteaseinhibitoren (Ritonavir- oder Cobicistat geboostert) PI/r bzw. PI/c
4 Integraseinhibitoren INI
5 Entry-/Fusionsinhibitoren*  

(* nicht für die Initialtherapie zugelassen.)

Mittel gegen HIV und ihre Angriffspunkte

Nukleosid- oder Nukleotidanaloga (NRTI) sind sozusagen falsche DNA-Bausteine, die das Umschreiben der Virus-Erbinformation in die genetische Sprache der Wirtszelle verhindern. Schließlich hemmt der Reverse-Transkriptaseinhibitor (NNRTI) das Enzym, welches dieses Umschreiben der Erbinformation ermöglicht. Integraseinhibitoren (INI) verhindern einen weiteren wichtigen Schritt im Viruszyklus, nämlich den Einbau der umgeschriebenen Virusinformation in das Genom der Wirtszelle. Schließlich greifen Proteaseinhibitoren (PI) als Mittel gegen HIV in den Reifungsprozess neu gebildeter Viruspartikel ein. Darüber hinaus gibt es noch die Entry-Inhibitoren, diese verhindern den Viruseintritt in die Zielzelle. Diese sind allerdings in der Initialtherapie nicht von Bedeutung.

Eine Kombination aus drei Wirkstoffen wird für die Initialtherapie empfohlen.

Kombinationen aus 2 NRTI mit einem NNRTI, einem INI oder geboostertem PI haben sich als sehr wirksam, sicher und gut verträglich erwiesen (Quelle: Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion, 12/2015).

Grafik über Angriffspunkte der ART im HI-Virus Vermehrungszyklus.

Abb. Angriffspunkte der ART im Vermehrungszyklus des HI-Virus.

Mittel gegen HIV – Erfolg durch Therapietreue!

Wenn man derzeit über Mittel gegen HIV spricht, meint man in der Regel antiretrovirale Arzneimittel, die einen positiven Einfluss auf den Verlauf der HIV-Erkrankung nehmen und den Ausbruch von AIDS verhindern können. Leider kann beim Thema HIV von einer völligen Entspannung der Lage noch lange nicht die Rede sein. Mit der derzeit verfügbaren HIV-Therapie ist keine Heilung der HIV-Infektion zu erreichen. Auch ein Impfstoff konnte noch nicht entwickelt werden. Doch die sehr effektiven HIV-Medikamente ermöglichen bei annehmbarer Lebensqualität eine Lebenserwartung, die mit derjenigen von Gesunden vergleichbar ist. Insbesondere auch die flächendeckend zur Verfügung stehenden HIV-Generika tragen zur HIV-Therapie bei. Der Erfolg einer HIV-Therapie ist allerdings wesentlich von der Therapietreue der Patienten abhängig.

Mittel gegen HIV kontrollieren eine chronische Infektion

Wer sich mit dem HI-Virus infiziert, merkt davon lange Zeit nichts. Heimtückisch verharrt HIV lange Zeit in einer sogenannten Latenzphase. Diese kann bis zu 10 Jahre andauern. In diesem Zeitraum vermehrt sich das Virus in Zellen des Immunsystems, verbirgt sich vor dem menschlichen Immunsystem und ruft kaum Symptome hervor. Bei Blutuntersuchungen lassen sich in diesem Stadium häufig bereits gewisse Veränderungen feststellen, ansonsten verhält sich das Virus unauffällig. Dieses scheinbare Gleichgewicht zwischen HI-Viren und dem Abwehrsystem ist dabei trügerisch, weil HIV unbemerkt zu einer Zerstörung der gesamten Immunabwehr führt. Wird es durch eine wirksame HIV-Therapie nicht an der Vermehrung gehindert, steigt die Viruslast vor allem im Blut und anderen in Körperflüssigkeiten unablässig an. Die Viruslast ist eine entscheidende Messgröße im Zusammenhang mit HIV. Sie entscheidet unter anderem darüber, wie intensiv ansteckend der Infizierte beim Austausch von Körperflüssigkeiten sowie Schleimhaut-/Wundkontakt mit einem Gesunden ist. Auch ist sie maßgeblicher Indikator dafür, wie intensiv das Abwehrsystem geschwächt wird.

Für HIV-Positive bedeutet eine HIV-Infektion, mit einer chronischen Infektion zu leben, solange es noch keine Therapie zur Heilung von HIV gibt. Zurzeit gibt es keine Möglichkeit, den Virus wieder aus dem Körper zu entfernen oder den ruhenden Virus in den Körperzellen aufzuspüren. Die Einnahme antiretroviraler Arzneimittel muss deshalb lebenslang und kontinuierlich fortgesetzt werden. Ziel dieser HIV-Therapie ist es vor allem, den Übergang in eine ausgeprägte AIDS-Erkrankung zu unterbinden. AIDS ist die durch HIV hervorgerufene Immunschwäche, die von sogenannten opportunistischen Infektionen genutzt wird, um den menschlichen Organismus anzugreifen. Tuberkulose, verschiedene Krebserkrankungen sowie die für Gesunde kaum lebensgefährlichen Herpesviren können für immunschwache Personen eine tödliche Bedrohung darstellen. Eine Therapie der opportunistischen Infektionen ist hoch komplex und schwierig, weil bereits eine ausgeprägte Immunschwäche besteht.

Die Bedeutung der HIV-Generika für die HIV-Therapie

Obwohl die HIV-Infektion auch hierzulande noch nicht heilbar ist und auch die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes aussteht, sind HIV-Infizierte bei uns in einer Situation, um die sie viele Infizierte in anderen Ländern beneiden werden. Mittel gegen HIV sind bei uns immer verfügbar und ihre Finanzierung im öffentlichen Gesundheitssystem gesichert. Diese Situation konnte nicht zuletzt durch die HIV-Generika erreicht werden. Da Arzneimittelentwicklung den Arzneimittelherstellern im Vorfeld viel Zeit und hohe Kosten abverlangt, dürfen sie ihre originären Wirkstoffe 20 Jahre lang durch Patente schützen. Dabei muss man einräumen, dass allein die Wirkstoffentwicklung vielfach gut 10 Jahre in Anspruch nimmt, bevor ein Produkt Marktreife erlangt. Insoweit verbleiben den Herstellern oft nur weitere 10 Jahre, um ihre Aufwendungen aus der Forschungs- und Entwicklungsphase durch exklusive Vermarktung auszugleichen und weitere finanzielle Mittel für die Entwicklung neuer Arzneimittel zu generieren. In den ersten Jahren nach einer Markteinführung sind die entsprechenden Produkte deshalb sehr teuer. Meistens lässt sich deshalb erst mit sogenannten Generika – das sind die Nachfolgeprodukte der ersten Generation von patentgeschützten Wirkstoffen – in der Breite eine Versorgung mit günstigen Wirkstoffen erreichen. Was die Mittel gegen HIV angeht, sind inzwischen entsprechende Generika zur Marktreife gelangt.

HIV-Therapie ist die beste Vorsorge gegen AIDS bzw. AIDS-Therapie

Die derzeit verfügbaren antiretroviralen HIV-Mittel sind in der Lage, den Ausbruch von AIDS zu unterbinden. Sie drücken die Viruslast teilweise unter die Nachweisgrenze. Es kommt insoweit im Kontext der HIV-Infektion nicht zur Ausbildung einer ausgeprägten Immunschwäche. Damit drohen auch nicht die gefürchteten Sekundärerkrankungen, sogenannte AIDS-definierende opportunistische Infektionen. HIV-Infizierte können mit antiviralen Arzneimitteln gegen HIV die Lebenserwartung von Gesunden realisieren. Außerdem sind sie bei konsequenter Anwendung der HIV-Arzneimittel nicht mehr infektiös. Dennoch handelt es sich bei HIV-Infizierten um lebenslang infizierte Menschen, da die HI-Viren weiterhin vorhanden sind und sich bei Unterbrechung der Behandlungsroutine jederzeit aktivieren können. Maßgeblich für den Erfolg der HIV-Therapie ist deshalb die Therapietreue der Betroffenen. Hierbei wird insbesondere auf die Eigenverantwortung der Betroffenen gesetzt. Kompetente Informationen und mehr Wissen über Wirkung und Nebenwirkungen der HIV-Therapie können dazu beitragen, dass HIV-Infizierte sich an die mit ihrem Arzt getroffene Behandlungsvereinbarung halten. Deshalb sollte jeder Betroffene die Behandlung in Anspruch nehmen, denn eine manifestierte AIDS-Erkrankung ist die drohende Konsequenz fehlender Therapietreue.

HIV-Generika im Rahmen der allgemeinen Gesundheit

Mittel gegen HIV und speziell HIV-Generika spielen letztendlich auch im Hinblick auf die Allgemeinheit eine Schlüsselrolle. Die Verbreitung des HI-Virus wird mit dem flächendeckenden Einsatz der antiretroviralen Mittel gegen HIV eingedämmt. Dabei gilt zwar weltweit noch keine Entspannung der Situation, weil entsprechende Arzneimittel nicht in jedem Land der Welt verfügbar sind und in vielen Ländern noch immer sehr fahrlässig mit der HIV-Infektion umgegangen wird. Dennoch sind die derzeitigen Mittel gegen HIV und die HIV-Generika ein bedeutender Schritt hin zur vollständigen Ausrottung der Krankheit, die voraussichtlich erst mit der Einführung eines wirksamen Impfstoffes erreicht werden kann.

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