HIV-Test: Warum und wann ist er sinnvoll

Es gibt verschiedene Szenarien, bei denen ein HIV-Test sinnvoll ist. Das gilt für Situationen, in denen ein hohes HIV-Ansteckungsrisiko besteht wie beispielsweise dem Wunsch nach ungeschütztem Sex in einer Partnerschaft oder bei Kinderwunsch. Ebenso ist ein HIV-Test nach einem Risikokontakt, nach dem Erhalt unsicherer Blutprodukte und wenn Symptome auftreten, die denen von HIV ähnlich sind, sinnvoll. Ist das Ergebnis HIV-positiv, kann zeitnah eine HIV-Therapie eingeleitet werden, die Sie davor schützt, dass sich AIDS entwickelt und eine AIDS-Therapie notwendig wird.

HIV-Test: Situationen mit einem hohen HIV-Ansteckungsrisiko

Es gibt bestimmte Situationen, die mit einem hohen HIV-Ansteckungsrisiko verbunden sind und in denen es wichtig sein kann, sich einem Test zu unterziehen:
- Wenn Sie in einer festen Partnerschaft leben und der Wunsch nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Verwendung von Kondomen besteht, sollten beide Partner vorab klären, ob möglicherweise eine HIV-Infektion oder eine andere, durch Geschlechtsverkehr übertragbare Krankheit vorliegt.
- Wenn Sie sich Kinder wünschen, sollten Sie vor einer oder spätestens während einer Schwangerschaft einen HIV-Test machen. Sind Sie als Mutter mit HIV infiziert, kann das HI-Virus während der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind übertragen werden. Fällt das Ergebnis des Tests positiv aus, können Sie sich als Mutter einer HIV-Therapie unterziehen mit dem Ziel, dass die Übertragung des HI-Virus auf das ungeborene Kind unterbunden wird. Auch Ihr Partner sollte sich auf HIV testen lassen, damit keine Gefahr besteht, dass er Sie während der Schwangerschaft mit HIV infiziert, und so Mutter und Kind gefährdet.

Der HIV-Test nach einem Risikokontakt

Es gibt bestimmte Situationen, die im Zusammenhang mit HIV als Risikokontakte bezeichnet werden. Hintergrund ist, dass das HI-Virus über Körperflüssigkeiten übertragen wird. Infektiös sind insbesondere Sperma, Blut, Muttermilch und Vaginalsekret, weshalb die nachfolgend aufgeführten Situationen zu den Risikokontakten zählen:
- Insbesondere der ungeschützte Geschlechtsverkehr gehört zu den Risikokontakten, die am häufigsten zu einer HIV-Infektion führen, was gleichermaßen für vaginalen, oralen und analen Geschlechtsverkehr gilt.
- Zu den Risikokontakten zählt auch der Drogenkonsum, wenn Drogenabhängige Injektionsnadeln gemeinsam verwenden.
- Auch die Muttermilch einer mit HIV infizierten Mutter, die ihr Kind stillt, ist ein Risikokontakt, da das HI-Virus auf das Kind übertragen werden kann, wenn keine HIV-Therapie durchgeführt wird.
- Sind Nadeln oder Operationsbesteck mit HIV kontaminiert und kommt es zu einer Verletzung, kann die Folge eine HIV-Infektion sein.
- Kommen die Schleimhaut oder offene Wunden mit Körperflüssigkeiten in Kontakt, die mit HIV infiziert sind, ist auch das ein Risikokontakt.


Nach Risikokontakten kann es wichtig sein, dass Sie sich über den HIV-Status Ihres Sexualpartners, Co-Users bzw. Patienten zeitnah informieren. Der Grund dafür ist, dass bis zu 24 Stunden nach einer Exposition eine medikamentöse Prophylaxe zur Verfügung steht. Dabei handelt es sich um die sogenannte HIV-Postexpositionsprophylaxe, die bei einer sehr raschen Einnahme eine Infektion mit dem HI-Virus verhindern kann.

Wann aufgrund der Symptomatik ein HIV-Test sinnvoll ist

HIV-Symptome sind nicht ohne weiteres verifizierbar, da sie sich nicht wesentlich von denen anderer Krankheiten unterscheiden. Dennoch sollten Sie bei grippeähnlichen Symptomen oder solchen, die nicht eindeutig einer bestimmten Erkrankung zugeordnet werden können, einen HIV-Test machen. Eines der häufigsten Symptome nach einer HIV-Infektion ist Fieber. Möglich sind außerdem geschwollene Lymphknoten im Bereich des Halses und an der Leiste, Schüttelfrost, Muskel- und Gelenkschmerzen, Nachtschweiß, Halsschmerzen, Hautausschläge mit Bläschen- oder Pustelbildung, Erbrechen und Durchfall.


Diese und andere Symptome können drei bis sechs Wochen nach einer HIV-Infektion auftreten. Da die Symptome ihre Ursache auch in anderen Erkrankungen haben können, werden sie oftmals nicht einer HIV-Infektion zugeordnet, sodass das eigentliche Krankheitsbild HIV in diesem Stadium oftmals nicht erkannt wird. Dabei schützt gerade die frühzeitige Erkennung vor dem Krankheitsbild AIDS und vor einer Therapie von  AIDS assoziierten Symptomen, da rechtzeitig eine medikamentöse HIV-Therapie eingeleitet werden kann.

HIV-Test nach Erhalt unsicherer Blutprodukte

Haben Sie zu einem früheren Zeitpunkt Bluttransfusionen oder Blutprodukte bekommen und war deren HIV-Sicherheit nicht gewährleistet, ist ein Test ebenfalls sinnvoll. Er bringt Gewissheit, ob Sie mit HIV infiziert sind oder nicht. In Deutschland ist diese Möglichkeit der HIV-Übertragung nahezu ausgeschlossen, da alle Blutprodukte vor ihrer Übertragung auf HIV getestet werden. Dennoch bringt ein Test Klarheit und sorgt für den Fall eines positiven Bescheids dafür, dass zu einem frühen Zeitpunkt eine HIV-Therapie eingeleitet werden kann. In anderen Ländern mit anderen medizinischen Standards kann dieses Risiko weitaus größer sein. Das gilt insbesondere für Operationen im Ausland, bei denen eine Bluttransfusion oder die Übertragung anderer Blutprodukte erforderlich ist.

Wann der richtige Zeitpunkt ist, sich auf HIV testen zu lassen

Ein sicheres Ergebnis liefert ein HIV-Test dann, wenn mindestens sechs Wochen, besser drei Monate nach einer möglichen Infektion mit HIV vergangen sind. Das ist der maximale Zeitraum, den der Körper braucht, um Antikörper gegen das HI-Virus auszubilden. Liegt nach dem ersten Test, dem sogenannten Suchtest, ein positives Ergebnis vor, folgt ein sogenannter Bestätigungstest, mit dem das Ergebnis des ersten Testes gesichert oder widerlegt wird. Der Bestätigungstest ist sehr aufwändig und auch sehr genau. Erst wenn das Testergebnis bei beiden Tests positiv ausfällt, gilt der Nachweis einer HIV-Infektion als gesichert.
Die Laboruntersuchung des Suchtests dauert regelmäßig drei bis fünf Tage. Das gilt gleichermaßen für den Bestätigungstest, der genauso lange dauert. Sehr viel kürzer ist der Schnelltest, dessen Dauer bei maximal einer halben Stunde liegt. Fällt der Schnelltest positiv aus, wird auch hier ein Bestätigungstest vorgenommen, der wiederum ein Labortest ist und drei bis fünf Tage dauert.

Wo Sie sich auf HIV testen lassen können

Viele Gesundheitsämter und Beratungsstellen bieten einen kostenlosen HIV-Test an. Der Test ist nicht nur kostenlos, sondern wird auch anonym durchgeführt. Das heißt, er wird nicht in Ihrer Patientenakte vermerkt. Fällt er positiv aus, sind Labore, Gesundheitsämter und Beratungsstellen verpflichtet, dies an das Robert-Koch-Institut zu melden. Das geschieht jedoch, ohne dass Ihr Name genannt wird. Die Meldung ist deshalb verpflichtend, um die Ausbreitung von HIV statistisch zu dokumentieren. Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich bei jedem niedergelassenen Arzt testen zu lassen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten allerdings nur dann, wenn der Test dazu dient, gesundheitliche Beschwerden zu klären. Ansonsten müssen Sie die Kosten selbst tragen. In diesem Fall bleibt der Test nicht anonym, da er in Ihrer Patientenakte dokumentiert werden muss. Allerdings unterliegen sowohl der Arzt einschließlich seiner Mitarbeiter der ärztlichen Schweigepflicht, sodass niemand, im Falle eines positiven Testausgangs, von Ihrer HIV-Infektion erfährt.


Fällt der HIV-Test negativ aus, ist das eine Erleichterung, die sicher dazu motiviert, das HIV-Ansteckungsrisiko ernst zu nehmen und sich achtsam vor einer HIV-Infektion zu schützen. Ist das Ergebnis positiv, ist das kein Grund zu resignieren. Dann kommt es darauf an, dass Sie eine Beratung in Anspruch nehmen und so schnell wie möglich eine HIV-Therapie beginnen, um die Ausbreitung des HI-Virus zu stoppen.

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