HIV-Vorbeugung – so schützen Sie sich vor HIV und AIDS

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts infizieren sich jährlich noch immer über 3.000 Menschen in Deutschland mit HIV. Umso wichtiger ist es, sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber verantwortungsbewusst zu handeln und Maßnahmen der HIV-Vorbeugung zu ergreifen. Welche Möglichkeiten der Übertragung es gibt, und wie Sie sich vor einer HIV-Infektion schützen, die eine lebenslange HIV-Therapie nach sich zieht, lesen Sie auf unserer Seite.

HIV-Vorbeugung: Übertragung des HI-Virus durch Körperflüssigkeiten

Grundsätzlich können HIV und AIDS jeden treffen, und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Gefahrenquellen und Gefahrensituationen kennen und sich entsprechend durch vorbeugende Maßnahmen schützen. Die Ansteckung mit dem HI-Virus erfolgt im Wesentlichen über Körperflüssigkeiten, zu denen Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, Muttermilch sowie der Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut gehören. Die Übertragung ist allerdings nur unter der Voraussetzung möglich, dass in den Körperflüssigkeiten eine ausreichend hohe Anzahl an HI-Viren enthalten ist. Wegen einer zu geringen Virenkonzentration ist deshalb eine Übertragung durch Schweiß, Speichel oder Tränenflüssigkeit ausgeschlossen. Demzufolge konzentriert sich die HIV-Vorbeugung auf sexuelle Kontakte, auf Gefahren bei der Übertragung von Blutprodukten, auf werdende Mütter, auf Drogenabhängige und auf ungewollte beziehungsweise nicht beabsichtigte Situationen.
Nicht übertragen werden kann das HI-Virus durch die Nutzung von sanitären Anlagen, durch das Berühren von mit HIV infizierten Menschen, durch Küssen sowie durch die Nutzung von gemeinsamem Besteck, Geschirr oder von Bettwäsche. Das gilt auch für Mahlzeiten, die von einem HIV-Infizierten zubereitet wurden, für die Tröpfcheninfektion, für die Übertragung durch Mücken oder andere Insekten sowie für den nicht-sexuellen Sozial- oder Körperkontakt mit einem HIV-Infizierten.

Sauberes Drogenbesteck schützt vor einer HIV-Infektion

Drogen-Gebraucher gehören zu den Risikogruppen, die häufiger als andere Gefahr laufen, sich mit dem HI-Virus zu infizieren. Die Übertragung von HIV geschieht bei Drogen-Usern oftmals durch gemeinsam benutzte Nadeln. Verschiedene Hilfsprogramme versuchen, das Risiko von Drogennutzern auf zweierlei Weise zu senken. Das gilt einmal für das Angebot von Substitutions-Programmen als Alternative zum Drogenkonsum oder durch das Verteilen von kostenlosen und sauberen Spritzbestecken.
Insbesondere Eltern werden mit der Horrorvorstellung unsauberer Drogenutensilien konfrontiert, wenn ihre Kinder sich beispielsweise auf dem Spielplatz mit einer Spritze verletzen. Das ist deshalb in der Regel gefahrlos, weil die Drogenutensilien dort meist schon eine längere Zeit liegen, sodass sie nicht mehr infektiös sind. Das Blut ist geronnen, sodass es nicht mehr in den Körper eines verletzten Kindes gelangen kann. Es besteht jedoch weiterhin die Gefahr, sich mit Hepatitis zu infizieren. Deshalb sollten Sie mit Ihrem Kind unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

HIV-Vorbeugung: Schutz vor HIV bei sexuellen Kontakten

Am häufigsten wird das HI-Virus durch Geschlechtsverkehr übertragen, insbesondere durch Analverkehr, aber auch durch Vaginal- und Oralverkehr. Der Gebrauch von Kondomen, Femidomen und von Lecktüchern, die auch Oralschutztücher genannt werden, als HIV-Vorbeugung sollte deshalb eine Selbstverständlichkeit sein. Das gilt umso mehr, wenn Sie Ihre Geschlechtspartner häufiger wechseln. Aber auch diejenigen, die in einer festen Beziehung sind und immer mal wieder das sexuelle Abenteuer suchen, sollten großen Wert auf vorbeugende Maßnahmen legen. Hat ungeschützter Geschlechtsverkehr stattgefunden, kann es für Ihren Partner oder Ihre Partnerin auch zur Infektionsgefahr werden, wenn Sie das verschweigen. Hier sind ein offenes Gespräch und ein HIV-Test vonnöten, um Gewissheit über eine mögliche HIV-Infektion zu haben und um zu einem frühen Zeitpunkt eine HIV-Therapie einzuleiten, die es möglich macht, positiv mit HIV zu leben.
Auch wenn in einer noch jungen Beziehung die Versuchung groß ist, auf schützende Maßnahmen zu verzichten, sollten Sie auch hier kein Risiko eingehen. Schützen Sie sich so lange vor HIV und AIDS, bis beide Partner geklärt haben, ob eine HIV-Infektion vorliegt oder nicht. Eine Unachtsamkeit kann über eine Infektion, die sie Ihr Leben lang begleitet entscheiden. Dieser Gefahr sollte man sich auch bei Urlaubsreisen bewusst sein. Sonne, Strand, Meer und ein unbeschwertes Urlaubsfeeling machen die Gefahren, die von einer HIV-Infektion ausgehen, schnell vergessen. Das gilt für den Urlaubsflirt ebenso wie für Prostituierte. Die weltweit höchste Rate an HIV-Infektionen weisen afrikanische Länder südlich der Sahara auf, gefolgt von Süd- und Südostasien.


Die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP): Medikamentöse HIV-Vorbeugung
Seit 2016 gibt es die Möglichkeit, sich mit einem Medikament, welches die Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovir enthält, vor einer sexuell übertragenden HIV Infektion zu schützen. Bei diesem Medikament handelt es sich um Wirkstoffe, die normalerweise in der HIV-Therapie eingesetzt werden. Damit diese bei einem Risikokontakt schützen können, muss das Arzneimittel rechtzeitig und täglich eingenommen werden. Die Wirkstoffe reichern sich dann in den Schleimhäuten an und dadurch ist es dem HI-Virus nicht mehr möglich, seine Erbsubstanz in die menschliche Zelle zu integrieren. Empfohlen wird die PrEP für Männer, die häufig Sex mit Männern haben und denen es schwer fällt, auf einen Schutz durch die Anwendung von Kondomen zu achten. Aber auch allen anderen Menschen, die häufig wechselnde Sexualpartner haben, kann die PrEP helfen, sich vor HIV zu schützen.

Die Übertragung von HIV durch Blut oder Blutprodukte

In Deutschland gibt es strenge Tests, die es nahezu unmöglich machen, dass HIV über die Verabreichung von Blutprodukten übertragen wird, zum Beispiel bei der Übertragung von Blutkonserven oder Blutplasma. Es gibt allerdings andere Übertragungsmöglichkeiten, bei denen wegen der Notsituation die HIV-Vorbeugung oftmals außer Acht gelassen wird. Das gilt zum Beispiel, wenn Sie Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall sind. Versuchen Sie auch in diesen Situationen daran zu denken, dass Ihre Gesundheit wichtig ist. Vergessen Sie neben den anderen verkehrssichernden Maßnahmen die Infektions-Vorbeugung nicht. Streifen Sie sich die Latexhandschuhe aus Ihrem Verbandskasten über, wenn Sie in Kontakt mit Blut von Verletzten kommen können.

So schützen Schwangere sich und ihr Kind vor einer HIV-Infektion

Nicht nur Schwangere können sich mit HIV infizieren, sondern auch das noch ungeborene Kind oder das Neugeborene, deren Infektionsrisiko beim eigentlichen Geburtsvorgang und beim Stillen am größten ist. Die HIV-Vorbeugung besteht darin, dass Sie sich vor einer Schwangerschaft auf HIV testen lassen, was gleichermaßen für Ihren Partner gilt, um eine HIV-Infektion vor und während der Schwangerschaft auszuschließen. Eine während der Schwangerschaft fortgeführte HIV-Therapie reduziert das Übertragungsrisiko erheblich.

HIV-Vorbeugung: Schutz vor einer HIV-Infektion im Beruf

Sofern Sie zu einer besonders gefährdeten Berufsgruppe gehören, haben Sie auch hier die Möglichkeit, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Das sind vor allem Berufe im Gesundheitsbereich, die direkten Kontakt mit HIV-Infizierten haben, unter anderem Pfleger, Krankenschwester, Ärzte und Chirurgen. Das gilt auch für Berufsgruppen, die indirekten Kontakt haben, weil sie zum Beispiel Aufenthaltsorte von Drogenabhängigen reinigen, ebenso wie Prostituierte sowie die Polizei und andere Staatsbedienstete. Nicht nur in Deutschland gibt es gesetzlich verankerte Arbeits- und Hygienevorschriften, die Sie einhalten sollten, um sich vor einer HIV-Infektion und einer sich anschließenden HIV-Therapie oder AIDS-Therapie zu schützen.

Die Postexpositions-Prophylaxe: Wenn doch einmal etwas schiefgeht

Trotz Kondomen und Lecktüchern kann es passieren, dass diese abrutschen oder reißen. Dann sollten Sie sehr schnell handeln, insbesondere wenn der Geschlechtsverkehr mit einem HIV infizierten Partner oder einer HIV infizierten Partnerin stattgefunden hat. Das gilt gleichermaßen für andere Situationen, in denen es zu einem Kontakt mit Körperflüssigkeiten gekommen ist, die möglicherweise HI-Viren enthalten. Dann haben Sie die Möglichkeit, sich medikamentös gegen eine mögliche Ansteckung zu schützen. Diese sogenannte Postexpositions-Prophylaxe (PEP) verhindert, wenn sie innerhalb einen Zeitfensters von 72 Stunden begonnen wird, dass sich das HI-Virus im Körper festsetzt.

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